Produkte für biologisches Gärtnern

10 Tipps: Der klimafitte Bio-Garten

Natur- und Klimaschutz fängt im eigenen Garten an

Der Klimawandel ist in aller Munde. Doch nicht nur Wissenschaftler und Politiker sprechen darüber. Die Veränderungen in der Natur sehen wir alle täglich in unseren eigenen Gärten: Die Sommer werden immer heißer und lassen Pflanzen leiden, da die Böden trotz Regen kein Wasser aufnehmen können. Gemeinsam mit Biogärtnerin Angelika Ertl haben wir zehn Tipps zusammengestellt, wie du in deinem Garten einen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz leistest.

Tipp 1: Chemiefrei gärtnern

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© Thomas Schwiewer – pixabay.com

Vielen Insekten fehlt zunehmend der Lebensraum: Immer mehr grüne Flächen werden verbaut. Sowohl in der Landwirtschaft, als auch im Gartenbereich werden Pestizide gesprüht und es wird nur selten auf die Vielfalt von Pflanzen, welche Insekten brauchen, geachtet.

Vor allem Nützlinge und Bestäuber wie Bienen, Schwebfliegen, Wildbienen und Hummeln sind dadurch in ihrer Existenz bedroht. Damit ist das Gleichgewicht von Mutter Natur in Gefahr – überlegt man zum Beispiel, dass 71 der 100 wichtigsten Kulturpflanzen von der Bestäubung durch Bienen abhängig sind.

Einer der wichtigsten Beiträge, die man als Hobbygärtner leisten kann: Auf chemische Dünger und chemische Spritzmittel verzichten. Sie haben nicht nur negative Auswirkungen auf die eigene Gesundheit, sondern auch auf Lebewesen, die im Umfeld von Pflanzen oder im Boden leben. Mit organischen, d.h. biologischen Düngern, natürlichen Pflanzenstärkungsmitteln & Co. schonen wir die gesamte Umwelt und letztlich auch uns selbst.

Tipp 2: Auf torffreie Gartenerde achten

Torf ist ein Rohstoff, der häufig in gekaufter Gartenerde zu finden ist. Er wird aus Mooren abgebaut. Dabei werden große Mengen an C02 freigesetzt, die darin Jahrhunderte lang gespeichert wurden. Außerdem wird beim Abbau der Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen zerstört. Daher ist es wichtig, beim Kauf von Blumenerde auf die Kennzeichnung „torffrei“ zu achten. Torf ist in erster Linie in Erden enthalten, weil es die Wasserspeicherfähigkeit erhöht. In torffreien Erden werden stattdessen zum Beispiel Holzfaser und Kompost verwendet.

Tipp 3: Regenwasser statt Leitungswasser verwenden

Durch die Verwendung von Regenwasser statt Leitungswasser spart man nicht nur Wasser. Es hat auch weitere Vorteile: So enthält Leitungswasser zum Beispiel oft Kalk, und dies beeinflusst den pH-Wert des Bodens – was manchen Pflanzen überhaupt nicht gefällt. Um Regenwasser zu nutzen, kann zum Beispiel eine Regentonne im Garten aufgestellt werden: Diese fängt das Regenwasser auf, das dann als Gießwasser verwendet werden kann.

Extra-Tipp von Angelika Ertl:

„Sollte sich das Wasser in der Sonne aufheizen und lauwarm werden, ist das überhaupt kein Problem für die Pflanzen. Ganz im Gegenteil: Einige wärmeliebende Pflanzen, wie zum Beispiel Tomaten, mögen dies sogar lieber als kaltes Leitungswasser.“

Tipp 4: Auf regionale Pflanzen setzen

Statt exotische Pflanzen zu kaufen, die importiert und gezüchtet werden, macht es Sinn, auf regionale Pflanzen zu setzen. Heimische Pflanzen verschwinden zunehmend aus unseren Gärten. Diese Entwicklung sollte jedoch gestoppt werden: Regionale Pflanzen sind nicht nur die Lebensgrundlage für Wildbienen, Käfer, Falter und Vögel. Sie sind auch ein Kulturgut, das über Jahrhunderte eine Selbstverständlichkeit war, aber zunehmend seltener und damit kostbarer wird. Heimische Pflanzen kommen zudem oft besser mit dem hiesigen Klima zurecht und sind beständiger gegen Schädlinge und Krankheiten.

blumenwiese
© Capri23auto – pixabay.com

Tipp 5: Vielfalt ist der neue Trend

Eine Vielfalt an Pflanzen im Garten aufzubauen, ist ein weiterer wesentlicher Beitrag zu einem nachhaltigen, klimafitten Garten. Pflanzen können so ausgewählt werden, dass sie je nach Jahreszeit abwechselnd blühen und dadurch Bestäuber anlocken. Zum Beispiel eignen sich Krokusse, Rosen, unterschiedliche Stauden und Kornelkirsche in Kombination großartig. In Ergänzung zum klassischen Rasen kann eine Blumenwiese angelegt werden, wozu es im Handel Samenmischungen zu kaufen gibt.

Angelika Ertl erklärt, wie’s geht:

„Eine Blumenwiese ist leicht angelegt: Zuerst die Grasnarbe anheben und Sand in die Erde einarbeiten. Dadurch wird der Boden gelockert und die Wasserleitfähigkeit verbessert. Die Blumenwiese sollte zwei Mal im Jahr gemäht werden.“

Tipp 6: Begrünen, wo es möglich ist

Generell gilt: Je mehr begrünte Flächen es gibt, umso besser. Der klimafitte Garten hat wenig befestigte Flächen: Wo es geht, ist es grün! Im Eigenheim ist zum Beispiel die Pflanzung eines Baumes eine tolle Maßnahme. Wusstest du, dass Laubbäume eine der effektivsten Klimaanlagen sind? Eine 80-jährige Buche hat eine Klimawirkung im Wert von ca. 65.000 Euro. Beachtlich, oder?

Daneben sind Urban Gardening bzw. Vertical Gardening oder bepflanzte Flachdächer eine gute Möglichkeit, um grüne Flächen zu schaffen. Darüber freuen sich nicht nur Insekten, sondern die Pflanzen verbessern zusätzlich die Luftqualität: Sie wandeln CO2 in Sauerstoff um und mindern somit die Treibhausgase in der Atmosphäre.

Tipp 7: Mulchen

gartenfaser-mulch

Ein weiteres großes Thema ist Mulchen. Die Verwendung eines Abdeckmaterials für den Boden hat viele praktische Vorteile. Gerade zur Sommerzeit schützt das Mulchen den Boden vor Austrocknung und hilft den Gartenpflanzen, heiße Wetterperioden besser zu überstehen. Je nach Material kann eine Mulchschicht auch helfen, den Unkrautwuchs unterdrücken. Außerdem kann sich durch das Mulchen Humus bilden: Er ist extrem wichtig für einen gesunden Aufbau des Bodens. Geeignete Mulchmaterialien sind zum Beispiel Rindenmulch, Holzhäcksel, Rasenschnitt oder Gartenfaser, die es auch fertig zu kaufen gibt.

Extra-Tipp von Angelika Ertl:

„Für alle, die Lehmboden im Garten haben: Hier sollte die Mulchschicht oberflächlich immer ein wenig eingearbeitet werden, damit sich der Oberboden mit Unterboden verbindet.“

Tipp 8: Schädlinge behandeln? Ja, aber biologisch!

Wenn Blattlaus, weiße Fliege & Co. auftauchen und Schäden anrichten, sollte dies natürlich behandelt werden. Doch statt chemischen Giften gibt es auch biologische Alternativen auf Basis von verschiedenen Ölen und Pflanzenextrakten, wie z. B. spezielle  Blattlaus-Frei-Sprays, die auf natürlichen Wirkstoffen basieren und damit 100% Bio sowie 100% bienenfreundlich sind.

blattlaus-frei spray

Auch spezielle Arten von Nematoden – das sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer - eignen sich sehr gut in der Anwendung gegen Schädlinge. Sie können mit einer Nützlingsbestellkarte bequem nach Hause bestellt werden. Sie werden mit dem Gießwasser ausgebracht und bekämpfen die Schädlinge auf ganz natürliche Weise. Diese Art der biologischen Schädlingsbekämpfung ist zu 100% natürlich und schont das ökologische Gleichgewicht.

Tipp 9: Pflanzenstärkung: Vorbeugen statt heilen

Wer Pflanzenstärkungsmittel verwendet, gärtnert besonders nachhaltig: Denn diese basieren auf 100% natürlichen Wirkstoffen und funktionieren nach dem Prinzip: Vorbeugen statt heilen. Hier machen wir uns schon im Vorfeld Gedanken darüber, was Pflanzenzellen stärkt und sie so von innen heraus widerstandsfähig, robust und gesund hält. Pflanzen sind dadurch insgesamt weniger anfällig für Schädlinge oder Krankheiten. So kann beispielsweise eine Behandlung mit Knoblauch-Extrakt bei Pflanzen wie Gurken, Salbei oder Zucchini einem Befall mit Mehltau vorbeugen.

Tipp 10: Nistplätze schaffen

Auch Vögeln kann man als Hobbygärtner etwas Gutes tun. Zum Beispiel durch das Schaffen von Nistgelegenheiten. Optimal sind natürliche Nistgelegenheiten, wie immergrüne Gehölze, hohle Bäume und Hecken. Hecken bieten nicht nur Brutmöglichkeiten, sondern auch Nahrung und durch Dornen und Stacheln Schutz vor natürlichen Feinden.

Das Florissa-Team wünscht eine schöne Sommerzeit im Bio-Garten!

Über Bio-Gärtnerin Angelika Ertl:

ertl

Angelika Ertl entstammt einer traditionellen Gärtnerfamilie in Feldkirchen bei Graz (Steiermark). Sie besuchte die HBLFA für Gartenbau und Gartengestaltung in Schönbrunn (Wien) und absolvierte Gartenpraktika in Irland, Holland und der Schweiz sowie den Floristik-Meisterkurs in Innsbruck und Zürich.

Nach ihrer Rückkehr in den elterlichen Betrieb erkannte die junge Gärtnerin, dass der konventionelle Gartenbaubetrieb für sie nicht der Weg der Zukunft war.

Es folgten Ausbildungen im Bereich Biolandbau, regenerative Landwirtschaft und Humusaufbau im Hobbygarten und der Landwirtschaft. Der Selbstversorgergarten und das biologische Gärtnern sind heute ihre große Leidenschaft.

Weitere Infos: www.angelikaertl.at

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